Henriett Lindner

Was ist Ihr Spezial- oder Forschungsgebiet? Wie lange beschäftigen Sie Sich mit diesem Thema? Wie lange unterrichten Sie an der KPPU?
Ich bin seit 1999 an der Pázmány Universität, in dieser Zeit habe ich in der Lehre vieles ausprobiert unterrichtet: Sprache, Literatur, Medien- und Kulturwissenschaft. Mein spezielles Forschungsthema ist die deutsche romantische Literatur, und alles, was sich davon ableiten lässt: Ästhetik, die Entdeckung des Unbewussten, alles was romantisch sein kann, und hier öffnet sich auch mein Interesse auf vieles der Dinge der Welt.

Haben Sie während Ihrer Universitätsstudien eine ausländische Unversität besucht und dabei eine Lehrveranstaltung belegt?
Ich war zu Studienzeit äußerst reiselustig und habe Jahre in Deutschland studiert und gearbeitet, mit der Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes konnte ich auch an der Universität Hamburg promovieren. Deutsche Universitäten waren für mich in den neunziger Jahren der Inbegriff von Freiheit sowie motiviertem und selbständigem Lernen. Das war eine faszinierende Erfahrung!

Wenn schon, dann wie haben Sie das Land und die Universität ausgewählt; hatten Sie vorherige Kenntnisse über den Dozenten der gewählten Lehrveranstaltung?
Es war mehr oder minder Zufall, erwies sich später als Volltreffer. Ich lernte phantastische Universitätslehrer kennen, und erinnere mich besonders gern an die Literaturvorlesungen von Herrn Professor Harro Segeberg, Prof. Ulrich Vergin und Prof. Karl-Robert Mandekow aber auch der Politikwissenschafter Udo Bermbach hielt unvergessliche Vorlesungen über Politik und Oper. Ich habe von Ihnen nicht nur Fakten und Methoden gelernt, sondern verdanke ihnen auch eine Leidenschaftlichkeit, die ihre wissenschaftliche Tätigkeit charakterisierte. Mit Schillers Worten, sie waren keine Brotgehrten, sondern echte philosophische Köpfe.

Haben Sie Erfahrungen in der letzten Zeit über den Unterricht und die Studierenden ausländischer Universitäten?
Leider viel zu wenig. Aber ich versuche mich durch Informationen von deutschen Erasmus-Studenten und einigen deutschen Kollegen auf dem Laufenden zu halten, die internationalen Konferenzen sind auch ein Forum für Informationsaustausch.

Haben Sie schon an einer ausländischen Universität unterrichtet oder geforscht, oder mit den dortigen Lehrenden eine Kooperation gehabt?
Ich habe meine allererste Lehrveranstaltung am Institut für neuere deutsche Literatur der Uni Hamburg gehalten: das war eine unvergessliche Erfahrung! Und die Germanistik ist eine internationale wie auch interkulturelle Wissenschaft, mit sehr vielen Kontakt- und Austauschmöglichkeiten, Begegnungsorten und Konferenzen. Soweit es meine familiären und universitären Verpflichtungen zulassen, nehme ich diese Möglichkeiten auch wahr.

Was meinen Sie, warum wählen relativ viele ausländische Studenten Ihre Veranstaltung?
Ich versuche meine Themen und die Semesterplanung auch danach zu richten, was Studenten auch altersbeginnt interessiert. Da die Romantik an sich eine jugendliche Sache ist, habe ich es leicht. Besonders positive Rückmeldungen gibt es zu meinen Veranstaltungen zum Thema Literatur und Psychologie: Eine Veranstaltung, die den Studenten mehr verspricht als „nur” Literaturlektüre. Ich hoffe nur, das Versprechen mehr oder minder halten zu können.

Was für Erfahrungen haben Sie bezüglich der Ihre Veranstaltung besuchenden AuslandsstudentInnen?
Vorwiegend gute. Ausländische Studenten bringen ihre eigene Perspektive mit und bereichern so die Diskussionen. Sie bedeuten auch eine besondere Motivation für uns Ungarn, nicht auf unsere bequeme Muttersprache zu wechseln und besonders deutsche Studenten bringen eine Diskussionsbereitschaft und Selbständigkeit mit, wodurch die Atmosphäre der deutschen Universitäten zu spüren bekommt.

Haben Sie außerhalb der Lehrveranstaltung einen persönlichen Kontakt zu den AuslandsstudentInnen?
Meistens  ja. Wir unterhalten uns, sie sind sehr offen, manchmal bitten sie mich um Hilfe oder Rat, und ich helfe auch gern, wenn ich kann. Aber das ist mit ungarischen Studenten genauso.

Haben Sie die Möglichkeit, Ungarn und die ungarische Kultur den AuslanddstudentInnen vorzustellen?
Wenig. Das können die ungarischen Kommilitonen viel-viel besser.

Beraten Sie Ihre ungarischen StudentInnen bei ihren Erasmus-Studien? Nach welchen Gesichtspunkten?
Ich finde besonders wichtig, dass man in der Studienzeit ein bisschen die große Welt sieht. Nicht nur berate ich sie gern, ich überrede sie zum Auslandsaufenthalt, wenn es sein muss. Ich korrigiere Motivationsbriefe und schreibe Empfehlungsschreiben, wenn sie es brauchen, und nicht nur in Bezug auf Erasmus. Ich mache auch gern Werbung für den Deutschen Akademischen Austauschdienst und für die Aktion Österreich—Ungarn und informiere die Interessenten laufend über diverse Stipendienmöglichkeiten. Manchmal muss man die Studenten ein bisschen auch drängen, aber ein jeder, den ich bisher etwas intensiver überredet hatte, ins Ausland zu gehen, kam anschließend glücklich zurück und bedankte sich für mein Drängeln. 

Last but not least, womit beschäftigen Sie sich sonst, außerhalb der Universität?
Ich habe eine siebenköpfige Familie zu navigieren, es bleibt nicht viel Zeit übrig. Aber ich liebe alles was italienisch ist: Opern oder die Renaissancekunst zum Beispiel, und bin ein Fan von Sprache, Land und Küche.

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